Chapter

1. Ehrenskrupeln eines Soldaten

An einem Sommerabend Achtzehnhundertneunzehn lustwandelte ich im Innern der Festung Vincennes, wo ich in Garnison stand, mit Timoléon d'Arc ..., welcher gleich mir Gardeleutnant war. Wie üblich waren wir zum Schießübungsplatz gebummelt, hatten einer Prallschußübung beigewohnt, friedlich Soldatengeschichten erzählt und angehört, über die Kriegsschule, ihre Entstehung, ihren Nutzen, ihre Fehler und über Menschen geplaudert, deren gelbe Hautfarbe dies geometrische Ackerfeld hervorgerufen hat. Solch bleiche Schulfarbe trug auch Timoléon auf der Stirne. Die ihn kannten, werden sich seiner regelmäßigen und etwas eingefallenen Züge, seiner großen schwarzen Augen und der geschwungenen Brauen, die sie überwölbten, sowie des so sanften und selten getrübten Ernstes seines Spartanerantlitzes erinnern. Bei unserer ausgiebigsten Unterhaltung an diesem Abend beschäftigte ihn Laplaces System der Wahrscheinlichkeiten aufs tiefste. Ich erinnere mich, daß er dies Buch, von welchem wir sehr viel hielten und mit dem er sich oft abplagte, unterm Arme trug. Die Nacht sank herab oder entfaltete sich, besser gesagt. Voller Freude sah ich die von Ludwig dem Heiligen erbaute Kapelle und jenen Kranz bemooster und halbzerfallener Türme, die Vincennes damals zum Schmuck gereichten; der massive Hauptturm erhob sich über sie wie ein König unter seinen Garden. Die kleinen Halbmonde der Kapelle glänzten

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