Chapter

Dickchen

Tagelang waren in Auflösung begriffene Truppenteile durch die Stadt geeilt. Das waren keine Soldaten mehr, sondern zuchtlose Horden: die Leute trugen wilde ungepflegte Bärte, zerfetzte Uniformen, und ohne Fahne, ohne Ordnung bummelten sie regellos hin. Alle machten einen schlappen, erschöpften Eindruck, schienen unfähig, auch nur einen Gedanken oder einen Entschluß zu fassen, liefen bloß aus Gewohnheit weiter und weiter und fielen vor Müdigkeit um, sobald sie einmal Halt machten. Meist waren es Landwehrmänner, friedliebende Leute, ruhige Rentner, die unter der Last des Gewehres fast zusammenbrachen, kleine Kerls, die ebenso leicht das Entsetzen packte, wie die Begeisterung, kurz die ebenso gut angriffen wie ausrissen; unter ihnen ein paar Rothosen, Überreste irgend einer Division, die in einer großen Schlacht zersprengt worden. Dunkel uniformierte Artilleristen sah man zwischen Infanteristen, und ab und zu tauchte auch der glänzende Helm eines Dragoners auf, der, schwer zu Fuß, Mühe hatte, den schnellen Schritten der Linientruppen zu folgen. Dann kamen Francs-tireurs-Legionen mit heroischen Namen: »Rächer der Niederlage«, »Bürger des Grabes«, »Genossen des Todes«. Sie sahen aus wie Banditen. Ihre Anführer waren ehemalige Tuch- oder Getreidehändler, Talg- oder Seifenfritzen, die ein Zufall zu Soldaten gemacht, die Offiziere geworden wegen ihres Geldes oder wegen der Länge ihrer

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