Erstes Kapitel
Die Karl Achtermannsche Leihbibliothek gehört nicht zu den ersten der Stadt. In einer verhältnismäßig engen und wenig belebten Nebenstraße belegen, macht sie nicht den geringsten Anspruch auf äußerliche Eleganz, polierte Ladentische und Bücherbretter, Plüschsessel und Büsten berühmter Unterhaltungsschriftsteller vom alten Homer bis zum jüngsten – dem jüngsten – nun ja, lassen auch wir den Platz offen und allen noch mitstrebenden Kollegen die Gelegenheit, sich in Gips oder Biskuit an die Wand hinzuimaginieren! »Einen recht schönen Sokrates hatte ich da oben; aber geschrieben hat der Mann ja eigentlich gar nichts, und als er vor anderthalb Jahren nächtlicherweile mit Nagel und Konsole herunterkam, habe ich es noch für ein Glück halten müssen, daß er das Attentat nicht bei Tage verübte und mir auf den Kopf fiel. Die augenblicklich beliebten Autoren von beiden Geschlechtern halte ich mir immer der Bequemlichkeit wegen handgerecht; und jetzt, bitte, kommen Sie einmal selbst hier hinter den Ladentisch und sehen Sie selber, in was für einer literarhistorischen Gefahr ich geschwebt habe. Er hing gerade drüber«, sagte mir der alte Achtermann; ich aber hatte ihm sogar noch dankbar dafür zu sein, daß er hinzufügte: »Sie stehen dort auf der andern Seite, und darüber ist auch noch ein recht hübscher Platz, wenn es sich einmal wieder so macht, daß ich etwas für die Verschönerung des Lokals