Fräulein Minna und der Reitknecht
Ich höre, dass die »anstößige Geschichte meiner Aufführung« auf dem Balle allgemein verbreitet wurde und dass die öffentliche Meinung (unter den Damen) im ganzen Saale dafür hielt, dass ich mich entehrt hätte. Aber in diesem Chore allgemeiner Verdammung gab es doch eine abweichende Stimme. Sie, gnädige Frau, sprachen mit dem ganzen Gewichte Ihres ausgezeichneten Rufes und Ihres hohen Ranges. Sie sagten: »Die junge Dame, die der Gegenstand tadelnder Bemerkungen ist, ist mir persönlich fremd. Wenn ich also mich einzumischen wage, so geschieht es nur, um Sie daran zu erinnern, dass jede Sache ihre zwei Seiten hat. Darf ich fragen, ob Sie gewartet haben, ein Urteil zu fällen, bis Sie gehört haben, was die Angeschuldigte zu ihrer eigenen Verteidigung zu sagen hat?« Diese gerechten und edlen Worte brachten, wenn ich recht unterrichtet bin, eine Totenstille hervor. Nicht eine der Frauen, die mich verdammt hatten, hatte meine Verteidigung gehört. Nicht eine wagte, Ihnen zu antworten. Wie ich in der Meinung von Leuten, wie diese, stehe, ist mir vollkommen gleichgültig. Mein einziges Bestreben ist, zu zeigen, dass ich Ihres rücksichtsvollen Eintretens für meine Person nicht ganz unwürdig bin. Wollen Sie mir die Ehre erweisen, zu lesen, was ich in diesen Blättern für mich selbst zu sagen habe. Ich will so schnell wie möglich über die Verhältnisse meiner Familie hinweggehen und es aus