Despotische Liebe
Mertens schlug mit der Faust auf den Tisch. »Und i sags noch amal: a wilds Tier is sie.« »Eine Heilige,« hauchte der Schulmeister. »A raffinirts Frauenzimmer,« brummte der Gemeindeschreiber. »Landes verweisen sollt ma sie«. »Oder – heiraten.« »Ja die und einen von uns zum Mann nehmen!« »Du hast überhaupt nit mitzureden, Schulmeister.« »Wieso nit? Soviel wie a Schreiber bin i a.« »Aber z' jung bist, und z' unerfahren. Für die wärst nit mehr als a Puppen.« »So, meinst? das wollten ma doch sehen! Wenns drauf ankäm' –« »Lirum larum Löffelstiel.« »Laß ihn doch, er soll ihr ein' Heiratsantrag machen, vielleicht adoptiert sie ihn.« In Severins hübsches Gesicht stieg dunkle Röte. »Soll mich Gott strafen, wenn ich nit graden Wegs zu ihr geh' und um sie frei'.« »Und glaubst, du kommst zum Ziel?« »Eher schon als du, der dem Wirt Löcher in die Bänk sitzt.« »Das thu i nur so lang i ledig bin. Wenn i Weib und Kind hätt', säh mi ka –« »Hörst, Schreiber? Er macht schon sein Gelöbnis; wenn er sie kriegt, will er nur Kuhmilch trinken.« »'s geht ihm wie den andern Manndern, in Handumdrehen, er weiß nit wie, is er auf einmal a Engel worden. Heut wissn ma ja auch, warum sich der Oberjäger aus Kirchthal derschossen hat.« »Und der Müllertonerl is auch nit durch Zufall unter die Räder geraten.« »Potz Blitz und Donner, von wem is denn da die Red?« sagte in diesem Augenblick ein Mann, der unbemerkt in