Des Reiches Krone
Am dreiundfünfzigsten Tage der Belagerung – anderthalb Jahrtausende nach dem Untergange der römischen Republik, neunhundertsiebenundsiebenzig Jahre, nachdem der König der Heruler den Knaben Romulus Augustulus auf das Landgut des Lucull in Kampanien gesendet hatte, – war Konstantinopel gefallen. Zwei Kaisertümer und zwölf Königreiche gab Gott in die Hand des zweiten Mohammed, Morads Sohn. Was die Christenheit in dumpfem Stumpfsinn, sich selber zerfleischend in Religionskriegen und Fehden der Fürsten und Völker, nicht abwehren wollte, das war nun vollendet. Der große Schrecken war da. – Am Tage des heiligen Laurentius in diesem Jahre 1453 sitzt in einem engen Gemach in einem Hause am Paniersberge in Nürnberg ein greiser Mann, der schreibt, was wir nachher lesen. Das tiefe Fenster ist dem Hausgärtlein und darüber hin der Stadtmauer zugewendet. Das Stüblein ist kahl und ohne jeglichen Schmuck, doch über dem Garten liegt die Sonne, und der Tag ist freundlich und der Himmel blau. Es ist still und doch nicht still. Freilich ist das Gemach des Schreibers der Stadt und den Gassen abgewendet; aber ein seltsam Tönen und Summen schwirrt durch die Lüfte, und die alten tapfern, hohen Schutzmauern und Türme werfen den Schall gar eigen zurück; – es ist auch das Gemach des Schreibers mit dem Summen und Klingen, dem wunderlichen Rauschen gefüllt. Wer nicht seiner Gedanken und seiner Feder sicher