Des Herzens Stimme
Der Zug brauste heran. Der grelle Pfiff der Lokomotive erscholl, die weißen Wolken des letzten Dampfes fuhren mit lautem Stöhnen aus dem Schlote. Die Dame, welche mit ihrem Sohne auf dem Perron stand, erzitterte leise. Der junge Mann, auf dessen Arm sie den ihrigen stützte, fühlte es und sah ihr mit zärtlichem Blicke in die Augen. Liebe Mutter, flüsterten seine Lippen. Ja, mein Junge, nun muß geschieden sein, erwiderte sie. Es ist ja nicht zum ersten Male, meinte er tröstend, und Du hast mich immer gesund wieder gesehen. Doch wird es mir diesmal viel schwerer, Dich ziehen zu lassen. So lange Du als Student kamst und gingst, gehörtest Du doch noch zu mir. Du lebtest von mir, denn Du warst auf mich angewiesen. Jetzt gehst Du zu selbständigem Leben über, stehst auf eignen Füßen und wer weiß, wie lange es dauert, bis Du einmal wieder kommen kannst. Nun, so weit ist Grafenberg doch auch nicht entfernt, daß ich nicht von dort aus sollte den Weg zurückfinden können. Und ich schreibe bald. Und recht ausführlich, ergänzte die Mutter. Da hielt der Zug. Nur wenige Minuten hemmte er seine rasende Eile an der kleinen Station. Einsteigen, einsteigen! mahnten die Schaffner. Eine letzte Umarmung, ein letzter inniger Kuß auf die Lippen der Mutter und Anton saß im Wagen. Mit feuchtem Blick sah sie ihm nach. Gott erhalte Dich gesund und brav, sagte sie, als er ihr noch einmal zum letzten Gruß die