Der Zwölfte
Kleine Bilder aus großer Zeit. Von Georg Hesekiel. Am 16. September 1809, Morgens neun Uhr, versammelte sich auf der Citadelle von Wesel eine Militair-Commission, bestehend aus dem Bataillonschef Grand und fünf andern Officieren, niedergesetzt von dem Commandanten der Festung, General Lameine, berühmt als Führer einer der „höllischen Colonnen“, welche einst die Vendée verwüsteten, um auf Befehl des Kaisers Napoleon über zwölf Officiere zu richten, die den kühnen Major von Schill auf seinem kecken Zuge gegen den französischen Tyrannen begleitet hatten und unglücklicher Weise in Kriegsgefangenschaft gerathen waren. Nur elf dieser Officiere konnten dem Militairgericht vorgeführt werden, es waren: Leopold Jahn aus Massow in Pommern, Ferdinand Schmidt aus Berlin, Ferdinand Galle aus Berlin, Carl und Albert von Wedell aus Braunsfort in Pommern, Adolf Keller aus Straßburg in Ostpreußen, Constantin von Gabain aus Geldern, Ernst Friedrich von Flemming aus Rheinberg, Friedrich Felgentreu aus Berlin, Carl von Kessenbrink aus Krien in Pommern, Friedrich von Trachenberg aus Rathenow. Der Zwölfte, Leopold Heinrich von Wedell, fehlte, er lag schwer verwundet in Montmedy und hatte nicht nach Wesel abgeführt werden können. Um neun Uhr trat die Militair-Commission zusammen, und um 11 Uhr waren eilf preußische Officiere, von denen Keiner noch dreißig Jahr alt war, zum Tode verurtheilt wegen