Chapter

Der Zigeuner und die Jungfrau

Als die Frau des Vikars mit einem jungen Habenichts durchbrannte, gab es eine Entrüstung ohne Grenzen. Ihre beiden kleinen Mädchen waren doch erst sieben und neun Jahre alt. Und der Vikar war ihr ein so guter Mann. Gewiß, er hatte graues Haar. Aber sein Schnurrbart war noch schwarz, er sah gut aus, und er war seiner leidenschaftlichen und schönen jungen Frau mit stummer Glut zugetan. Warum ging sie davon? Warum brannte sie mit einer derartig aufregenden Plötzlichkeit durch, als hätte sie den Verstand verloren? Niemand wußte die Frage zu beantworten. Bis auf die Frommen: die sagten, sie wäre eine Verworfene. Ein paar von den guten, also nicht verworfenen Ehefrauen schwiegen dazu. Sie kannten den Grund. Die beiden kleinen Mädchen erfuhren ihn nie. Sie waren tief getroffen und kamen zu dem Schluß, daß ihre Mutter sich nichts aus ihnen gemacht habe. Der böse Wind, der noch niemals Irgendwem etwas Gutes zugeblasen hat, fegte die Vikarsfamilie mit schlimmem Stoß hinweg. Aber man sehe und staune: Da bekommt der Vikar, der sich mit einiger Auszeichnung durch Aufsätze und Streitschriften hervorgetan hat und der sich durch sein Schicksal das Mitgefühl der Gelahrten erwarb, die Pfarre in Papplewick. Der Herr hat ihn gnädigen Sinnes vor dem Unheilswind in eine Pfarre im Norden gerettet. Das Pfarrhaus war ein ziemlich häßliches Steingebäude; man sieht es, bevor man ins Dorf kommt, am Ufer

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