Chapter

Der Asenwald

»Was hast du denn heut getan, Leonhard?« »Einen Baum umgehackt, Ahnl.« »Nur einen? Einen Baum im Krüppelholz? Das wär' dein ganzes Tagewerk?« »Es war ein Baum im Asenwald, Ahnl.« Da fuhr das alte Weib mit unglaublicher Schnelligkeit von seinem Sitze empor. Das schöne, stillselig lächelnde Großmuttergesicht verzog sich plötzlich zu erschrecklichen, hexenhaften Fratzen, der lange, dürre, hinfällige Leib nahm eine straffe, drohende Haltung an, und aus dem hellen Falkengeschau brach ein flirrendes Feuer. »Schon der dritt Frevel im Asenwald!« schrie sie mit schrillender Stimme. »Muss ich denn dasjenig Kiniweib sein, das den Asenwald fallen sieht? Vor mir haben ihn wohl mehr als dreißig Kinibäuerinnen ragen sehen. Und von denen hätt' eine jede ihr Leben gewagt für die Asenbäum. Noch einmal soll wer ein Beil legen an das ehrwürdig Holz, und ich erwürg ihn, wenn ich auch dazu aus der Grub her müsst'.« Sie tappte mit zitternden Krallenfingern in die Luft. Das schien ihr viel Genugtuung zu gewähren. Schon in den nächsten Augenblicken knickte ihr mit aller Kraftanwendung aufgerichteter Körper sanft und gelinde wieder in sich zusammen. Endlich ging die Greisin, sich vornübergebeugt, mit großen langsamen Schritten auf den offenen Herd zu. Im Gehen rang sie die Hände und seufzte: »O du mein schöner, armer Asenwald!« Der Jüngling hatte ihrem Toben mit finsterem Ernste zugehört. Jetzt lächelte

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