Kapitel 1
Das Wirtshaus zur Krone in Hollendeik, einem ziemlich großen Grenzdorf in Mitteldeutschland, war heute tüchtig besucht, und die Schenkmädchen hatten kaum Hände genug, die aus der weiten Nachbarschaft zusammengeströmten ungewöhnlich zahlreichen Kunden zu bedienen. Und doch war die Krone eigentlich nicht das beste Wirtshaus im Dorf, denn der Rote Hirsch schenkte ebenso gutes Bier und hielt anerkannt eine weit bessere Küche als jene. Nirgends bekam man nämlich einen besser zubereiteten Wildbraten als im Roten Hirsch, und die Frachtfuhrleute, die unterwegs außerordentlich gut verpflegt sein wollen, hatten denn auch den Hirsch besonders protegiert, und der Wirt stand sich vortrefflich dabei. Wenn aber die Frachtfuhrleute bei ihm einkehrten, mochten die Förster und Forstbeamten der Gegend desto weniger mit ihm zu tun haben. Kerdelmann, wie der Wirt hieß, stand nämlich in dem Verdacht, das viele Wild, das er verbrauchte, nicht immer aus der rechten Quelle zu beziehen, sondern – wenn er auch nicht selber wilderte, doch mit den Wilderern in der Nachbarschaft in gefährlicher Verbindung zu stehen. Es war aber außerordentlich schwer, ihn darin zu überführen, denn er kaufte auch ziemlich viel herrschaftliches Wild, und was er außerdem von über der Grenze herüber bezog, konnte ihm gar nicht nachgerechnet werden. Ob er also mit Wilderern direkt verkehrte oder nicht, ließ sich nicht beweisen,