I
I Die feierliche Abendhelle steht über den Bergen. Als feuriges Rad sinkt die Sonne hinter fernen westlichen Spitzen. Eine mattsilberne Platte glänzt in der Ebene der See, langsam deckt ihn die Dämmerung mit blauen Schleiern zu. An seinen Ufern hat heute die beginnende Weinlese gejauchzt. Lange habe ich durch mein Glas dem krabbelnden Ameisenvölklein, den fröhlichen Scharen der Winzer und Winzerinnen zugesehen. Nun sind sie in ihre Hütten und Häuser gegangen. Da ein Tupfen, dort ein Tupfen glimmen die Lichter wie Johanniswürmchen auf, wo sie gesellig leuchten, ruhen die Dörfer, weit draußen, wo der Lichtfleck breit ausgegossen wallt, liegt am Ende des Sees St. Jakob, die große Stadt. Jetzt läutet es über der einschlafenden Welt wohl Betzeit von den Türmen. In meine Einsamkeit herauf dringt kein Ton, kein Ton. Die Stille auf meinem Felsen ist groß und grenzenlos. Ich bin der Wetterwart vom Feuerstein und bedarf des Lebens der Tiefe nicht. Gehörte ich zu den Armseligen, die sich ohne Menschen langweilten, so wäre ich nicht zu Berg gestiegen. Von Menschenart und Menschenwesen aber habe ich mehr gesehen als andere, und in ihr Treiben verlangt mich nicht zurück. Die, denen ich diene, dürfen sicher sein, daß ihnen der Wetterwart nicht vom Feuerstein entläuft. An den Berg fesseln mich die übernommene Pflicht, die mir lieb ist, und der hinkende Fuß, den ich hasse. Es sind nun sieben