Chapter

Erstes Kapitel

Wie lange schon ist's her, seit die Klosterglocken von Lehnin verstummten! Seitdem der Hirt, wenn er die Abendmette hörte, den Hut abriß, die Hände faltete und aufs Knie sank, sein Angesicht im halblauten Gebet dahin wendend, von wo der Glocken Klang durch den Frieden der Wälder zitterte. Wie weit schallte der Ton, wie lieblich, lockend, tröstend dem verspäteten Wanderer. Wenn nun die dunklen Kiefern sich lichteten, und über den Dampf des Lugs die hundert bunten Giebel und Türme mit ihren goldenen Wetterfahnen, angerötet vom Abendschein, ihn gastlich anblickten, hörten die bangen Herzschläge auf; Unholde, Wölfe und Räuber hatten ihre Macht verloren. Vor dem Hirten, dem Wanderer, dem Handelsmann öffneten sich die Pforten in den dicken Mauern von festgebranntem roten Steine, und drinnen dampfte der Kessel über dem Herde den Hungernden; ein weiches Lager war für den Erschöpften gestreut, für jeden je nach Stand und Würden, für alle Frieden und Ruhe. Es war eine schöne Zeit, sagten viele. Hat doch jedwede Zeit ihr Schönes und ihr Häßliches. Unter dem Krummstab ist gut wohnen, meinten unsere Väter, und die Glocken läuteten den Frieden ein. Die Glocken in Ehren, wir meinen heut, es sei besser, wenn der Friede überall ist und wächst, wie der Halm aus dem Boden; wenn der Friede ist, wie ein Mannaregen, der alle erquickt, die leben und atmen, als wenn er eingepfercht ist in den festen

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