Erstes Kapitel
»Daß Gott erbarm!« rief Frau von Bredow, und wollte wieder ihre Hände falten, aber der Kopf war noch nicht recht im Gleichgewicht; auch die runde Brille war unter die Augen gerutscht, und das abgegriffene Buch, das ihr auf den Schoß gesunken, dieweil der Schlaf mit seinen Sammetfingern über ihre Wimpern strich, war jetzt zur Erde gefallen. Davon war sie vielleicht erwacht. »Du meine Zeit, was war das?« Die Mägde hätten nicht nötig gehabt zu antworten; der Wind antwortete schon selbst, und wenn er vorübersauste und in den Wäldern nachheulte, surrte und summte es unheimlich draußen, als kratze es mit tausend weichen Katzenpfoten an die Eichenläden der Fenster. »Der weiße Mann ist draußen,« sagte der Knecht Ruprecht, der das Feuer auf dem Herde schürte. Aber dem weißen Manne draußen, der so ungestüm den Bewohnern ansagte, daß er in der Burg Einlagerung getan, antwortete drinnen ein anderes Schnurren und Surren; gleich wie seinen Schneeflocken zum Trotz drehten sich und schwirrten die Spinnrocken, und die Holzschuhe klappten dazu lustig auf dem Estrich. Der weiße Mann, wenn er durch die Läden in die warme Halle hätte schauen können, hätte sich wohl gewundert, wie Menschenwitz es mit seinem Grimm aufnimmt. Es hatte sich mancherlei seit den zehn oder fünfzehn Jahren geändert, seit unser Aug' nicht in die Burghalle von Hohenziatz blickte. Die Läden von Eichenholz waren fest gezimmert