Chapter

Der unbekannte Gast

An die Pforte dieses Werkes, das der Verfasser nicht ohne verantwortungsvolles Zagen unternimmt, sei eine Geschichte von hinübergreifender Beziehung gestellt, weniger in sich selber ruhend als sonst Geschichten schlechthin, doch mit nichten Brevier oder Verkündigung, nur Brücke, nur Weiser, und so auch Bild und Gespinnst eher als Vorgang und Ereignis. * * * * * Ein Schriftsteller in mittlerem, ja vorgerücktem Alter, er werde Mörner genannt, erfuhr zu einer bestimmten Zeit des letztvergangenen Jahres eine unerklärliche Veränderung seines seelischen Gleichgewichts. Er hatte nach längerer Ruhepause eine neue Arbeit begonnen, die seine Gedanken despotisch beherrschte, und deren Schwierigkeiten ihn nicht nur nicht abschreckten, sondern alle freien Kräfte in ihm sammelten und gegen ein lockendes Ziel trieben. Auf einmal brachen diese Kräfte. Eines schönen Tages erlahmte der Nerv des Schaffens. Daß es keine vorübergehende Unlust, keine jener Trübungen war, die wie Nebel über einer Landschaft und doch im Grunde atmende Zeugnisse des Lebens sind, spürte Mörner. Es war wie wenn die Feder in einer Uhr zerbricht, oder noch beunruhigender, wie wenn man eine Vorratskammer betritt, die man mit Fleiß und Umsicht gefüllt hat, und sie gänzlich leer findet. Schließlich war es ein Verlust wie der Tod eines Wesens. Er sprach in einem Freundeskreis darüber, mit Zurückhaltung anfangs, da es ihm

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