Chapter

Der weiße Vogel

Die Favoritin ging früh zu Bett und schlief sehr spät ein. Um den Augenblick ihres Einschlafens schneller herbeizuführen, kitzelte man ihr die Fußsohlen und erzählte ihr Märchen; und um die Phantasie und die Lunge der Erzählenden zu schonen, teilten sich vier Personen in dieses Amt, zwei Emire und zwei Frauen. Diese vier Erzähler fuhren nacheinander auf Befehl der Favoritin in der gleichen Erzählung fort. Ihr Kopf war weich auf ihr Kopfkissen gebettet, sie hatte ihre Glieder lang in dem Bette ausgestreckt und ihre Füße der Kitzlerin anvertraut, als sie sagte: »Fangt an.« Und die erste ihrer Frauen begann die folgende Erzählung: Die erste Frau O Schwester, der schöne Vogel! Wie? Siehst du ihn nicht in den Zweigen dieser Palme, wie er mit dem Schnabel über sein Gefieder streicht und seine Schwingen und seinen Schwanz putzt? Wir wollen leise näher herantreten, vielleicht kommt er, wenn man ruft, denn er sieht recht gesellig aus. »Vogel, mein Herz, Vogel, mein kleiner König, komm, hab' keine Furcht: du bist zu schön, als daß man dir Böses tun sollte. Komm! Ein entzückender Käfig erwartet dich; doch wenn du die Freiheit vorziehst, sollst du frei sein.« Der Vogel war zu galant, um den Lockungen der beiden jungen, hübschen Frauen zu widerstehen. Er flog auf und ließ sich anmutig auf dem Busen des Mädchens nieder, das ihn gerufen hatte. Agariste, so hieß sie, sagte zu ihrer Gefährtin,

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