Erste Abteilung
»So mußt Du doch bemerkt haben, daß Du das Aussehen eines Menschen hast, der die personifizirte Häßlichkeit vorstellen soll.« Er machte ein Gesicht wie ein Raubthier, welches bereit ist, auf seine Beute loszustürzen. Eine solche Offenheit war ihm noch gar nicht vorgekommen. Er rang förmlich nach Athem und antworte, vor Aerger stockend: »Bin – bin – bin ich denn gar so sehr häßlich?« »Ja, ungeheuer.« »Alle Teufel! Schön seh ich freilich nicht; das weiß ich auch; aber daß ich so ein förmliches Scheusal bin, das habe ich nicht gedacht. Ich habe doch keine Verletzung oder so etwas Aehnliches im Gesicht!« »Das fehlte auch grade noch. Uebrigens kann selbst das schönste Mädchen einen Mann lieb haben, wenn er auch nicht schön ist. Weißt Du, zur wirklichen Häßlichkeit reicht das Gesicht allein nicht aus. Da kommt auch die Seele mit in Betracht. Erst durch eine häßliche Seele wird auch das Gesicht wirklich häßlich.« »Und meinst Du, daß ich so eine häßliche Seele habe?« »Ja. Die Narben und Flecke, welche Du nicht im Gesicht hast, die hast Du in der Seele, in Deinem Herzen.« »Das weißt Du?« »Alle Leute wissen es. Und wenn es Niemand wüßte, so steht ja Alles auf Deinem Gesicht geschrieben, so deutlich, daß Jedermann es lesen kann.« »Und was für Flecken sind das, he?« »Hartherzigkeit, Hinterlist, Heimtücke, Gefühllosigkeit, Rücksichtslosigkeit, Falschheit und vor allen Dingen Feigheit.