Chapter

Erstes Capitel. Auf der Alm.

»Als ich d'rauf am Morgen schied, Hört ich ferne noch ihr Lied, Und zugleich mit Schmerz und Lust Trug ich's fort in meiner Brust. Und seitdem, wo ich auch bin. Schwebt mir vor die Sennerin, Und sie ruft: »Kehr um geschwind!« Auf der Alm. ja Auf der Alm, ja Auf der Alm, da giebt's ka Sünd!« So klang es hell und getragen von der Höhe in das Thal hinab, gesungen von zwei Menschenkindern, welche, obgleich verschieden nach Alter und Geschlecht, diesen dritten Vers des bekannten und beliebten Liedes aus voller Brust ertönen ließen. Ihre Gesichter glänzten förmlich vor Vergnügen, und aus ihren blitzenden Augen leuchtete die herzliche Freude über das Echo, welches ihr Jodler an den gegenüber liegenden Felswänden wach rief. Einer, der sie jetzt hätte beobachten können, wäre ganz gewiß zu der Ueberzeugung gekommen: »Das sind zwei gute Menschenkinder! Der Refrain ihres Liedes steht ihnen auf der Stirn geschrieben: Ja auf der Alm, da giebt's ka Sünd!« Die Sonne eines schönen Herbsttages neigte sich den im Westen glänzenden Gletschern und Firnen entgegen. Ihr Licht brillirte im Wasser des Giesbaches, welcher schlank und in weiten Sätzen von der östlichen Höhe sprang. Sonntägliche Ruhe lag unten im Thale, und sonntäglich war auch die Sennerin gekleidet, welche neben der Thür am Holzstoße lehnte und dem Zither spielenden Alten fröhlich zunickte. Sie mochte kaum achtzehn Jahre zählen, war

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