Im Schatten des Erfolgs
Beide Hände hielt Constanze auf der kleinen abgeschabten Handtasche, die ihr im Schoß lag. Es war so seltsam: da lagen die beiden unbekleideten Hände, die einen müden Ausdruck trugen, auf jener Tasche, die sie tagtäglich gebrauchte, die braun und unscheinbar aussah, die nichts enthielt als eine Börse mit wenig, sehr wenig Kleingeld, das Taschentuch, den Hausschlüssel und das Fahrkartenheft der Straßenbahn. Es war also eine ganz gewöhnliche Tasche. Aber heute barg sie noch einen Brief, der wiederum ein sehr nüchternes, alltägliches Gesicht zeigte, der sogar mit Schreibmaschine geschrieben war, und der doch die eigenartige Fähigkeit besaß, Constanze eine neue Quelle der Kraft zu erschließen. Ja, es war wirklich sonderbar. Wenn Constanze an diesem Nachmittag, da all die vielen Menschen um sie herum saßen, standen und plauderten, an jenen Brief dachte, so umklammerte sie die Tasche fester, und ein Gefühl, das ihr abhanden gekommen schien, überfiel sie von neuem: die kleinen Flügel des Lebensmutes, die zwischen ihren Schulterblättern saßen und die sie zeitlebens gespürt hatte, die aber seit kurzem geknickt und kraftlos herniederhingen, hoben sich und wurden wieder regsam. Constanze wußte, daß sie wieder atmen konnte. War es wirklich so weit mit ihr gekommen, überlegte Constanze ein wenig benommen, daß sie nicht mehr frei und tief und unbeschwert atmen konnte? Ja, es war wohl so,