Der Preis
Der Waldkönig sprach nicht mit Worten, sondern mit dem Rauschen der Blätter, dem Knarren der Äste, dem Tropfen des Regens auf Moos. Benedikt verstand trotzdem. Der Wald war müde. Jahrhunderte lang hatten die Menschen genommen — Holz, Wild, Platz — und wenig zurückgegeben. Der Waldkönig verlangte keinen Ausgleich, denn er war nicht rachsüchtig, aber er stellte eine Frage: Was war Benedikt bereit zu geben?
Benedikt dachte an sein Haus am Waldrand, an seine Werkstatt, an die Möbel, die er aus dem Holz gefällter Bäume schnitzte und auf dem Markt verkaufte. Er dachte an seine Tochter in der Stadt, die ihn selten besuchte, und an seine Frau, die vor zehn Jahren gegangen war, nicht in den Tod, sondern in ein anderes Leben, das keine Bäume enthielt.
Der Preis, den der Waldkönig nannte, war seltsam. Kein Gold, kein Blut, kein erstgeborenes Kind, wie es in den Märchen hieß. Er wollte Benedikts Stimme — nicht für immer, nur für ein Jahr. Ein Jahr des Schweigens, in dem Benedikt lernen sollte, dem Wald zuzuhören statt ihm zu sagen, was er zu sein hatte. Benedikt legte die Axt nieder und nickte, und in dem Moment, als er den Mund öffnete, um ja zu sagen, war seine Stimme bereits fort.