Der Holzfaeller
Benedikt hatte sein ganzes Leben im Wald verbracht, und der Wald hatte ihn dafür bezahlt mit starken Armen, einem geraden Rücken und der Fähigkeit, den Unterschied zwischen einer gesunden und einer kranken Eiche aus fünfzig Metern Entfernung zu erkennen. Er arbeitete allein, wie es sein Vater getan hatte und dessen Vater davor, im Forst zwischen den Dörfern, wo die Bäume so alt waren, dass sie Namen trugen.
An diesem Morgen fällte er eine Buche, die der Sturm im Herbst beschädigt hatte, als er das Gefühl bekam, beobachtet zu werden. Nicht von einem Tier — er kannte den Blick eines Rehs, eines Fuchses, eines Luchses — sondern von etwas, das zwischen den Stämmen stand und Teil des Waldes war und doch nicht. Die Luft roch plötzlich nach Erde und Harz und etwas Älterem, Süßerem, das er nicht benennen konnte.
Er sah die Gestalt erst, als sie sich bewegte. Sie war groß, größer als jeder Mensch, und sie war aus Holz und Laub und Moos geformt, ein Wesen, das den Wald trug wie andere Menschen Kleidung. Sein Gesicht war die Rinde einer uralten Eiche, seine Augen waren Knothöhlen, in denen grünes Licht brannte. Der Waldkönig stand vor Benedikt und wartete.