Der Wald rauscht
Der Wald rauschte ... In diesem Walde stand stets ein Rauschen – gleichmässig, gedehnt, wie der Wiederhall von fernem Läuten, ruhig und dunkel, wie ein stilles Lied ohne Worte, wie eine unklare Erinnerung an Vergangenes. In ihm stand stets ein Rauschen, weil es ein alter dichter Nadelwald war, den die Säge und das Beil eines Holzfällers noch nicht berührt hatte. Hohe hundertjährige Fichten mit roten mächtigen Stämmen standen wie ein düsteres Heer, die grünen Wipfel oben fest aneinandergeschlossen. Unten war es still und roch nach Harz; durch die Decke der Fichtennadeln, mit denen der Boden bestreut war, hatten sich helle Farren Bahn gebrochen, in wunderlichen Wedeln sich üppig ausgebreitet und standen unbeweglich da, ohne ein Blatt zu rühren. In feuchten Winkeln reckte sich in hohen Halmen grünes Gras empor; weisser Honigklee beugte den schweren Kopf wie in stiller Erschöpfung nieder. Oben aber zog ohne Ende und Unterbrechung das Waldesrauschen dahin, wie dumpfe Seufzer des alten Forstes. Jetzt aber wurden diese Seufzer immer tiefer und stärker. Ich ritt einen Waldweg entlang und obwohl ich den Himmel nicht sah, fühlte ich aus der Art, wie sich der Wald verdüsterte, dass über ihm sich leise eine schwere Wolke erhob. Es war nicht mehr früh. Zwischen den Stämmen durch drang noch hie und da ein schräger Strahl der untergehenden Sonne, im Dickicht aber verbreitete sich schon die