Chapter

Der Wahrsager

Es war im Jahre 1796 in der Mitte des Monats Mai, als ein junger Mann von etwa sechsundzwanzig Jahren vor eine kleinen, an der Chaussee gelegenen Wirthshause stand und dort den Postwagen erwartete, welcher auf seiner Tour nach dem Städtchen Freienstein hier einige Minuten anzuhalten pflegte, um vereinzelte Reisende auf dieser Zwischenstation noch nachträglich aufzunehmen. Als jetzt die schwere unbehülfliche Kutsche anlangte und der vorerwähnte junge Mann sich derselben näherte, blickte ihm der Conducteur einen Augenblick überrascht ins Gesicht und lüftete dann mit freundlicher Höflichkeit seine Mütze. »Ei, du mein Gott, Sie hier, Herr Doctor Erlach?« rief der Beamte. »Wie Sie sehen,« entgegnete der Angeredete lächelnd. »Nicht wahr, es ist schon lange her, seitdem wir zuletzt diese Tour zusammen machten?« »Fast zwei Jahre, wenn ich nicht irre. Doch wollen Sie nicht einsteigen?« »Sogleich. Haben Sie viele Passagiere?« »Einen, oder wenn Sie wollen auch Zwei,« entgegnete der Conducteur mit einem verstohlenen Lächeln, indem er die Thür des Wagens öffnete. »Herr Assessor,« wendete er sich mit einer Verbeugung zu einem etwa dreißig Jahre alten Mann, der im grünen Jagdanzug und die Büchse zwischen den Beinen in einer Ecke des Wagens nachlässig lehnte – »wenn es Ihnen gefällig wäre, Herr Assessor, etwas Platz zu machen – dieser Herr hat Nummer Zwei und wünscht einzusteigen.« »Nun, ich

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