I. Die Heimkehr des Verbannten
Die Vergangenheit ist ein Spiegel der Gegenwart und der Zukunft. Die nachfolgende Erzählung aus dem Beginn des siebzehnten Jahrhunderts beweist das für unsere Tage ganz besonders einleuchtend, und eben darum beschwört der Dichter die alten Gestalten aus ihrem Grabe herauf, ohne Zorn und ohne besondere Vorliebe, nur der Wahrheit zu Gefallen. Kein Wetterhahn drehte sich auf seiner Angel, kein Wölkchen zog am Himmel, kein Stäubchen wirbelte vom Boden der Domfreiheit, und wie gefegt lag am heitern Wintertag der Platz vor den blanken Capitelhäusern mit den hellen Fensterscheiben und den klösterlich geschlossenen Pforten. Dennoch gellten im umhegten Gemach dem Domherrn Erich von Brakelstein die Ohren, als triebe die Windsbraut draußen ihr tollstes Spiel. Was er vernahm, klang eigentlich nicht so überlaut, aber es rüttelte und schüttelte ihn, wie der Sturm die Eiche. Der alte Herr war auch nicht übel einem stolzen Eichbaum zu vergleichen. Die hohe straffe Gestalt, das frische Aussehen des Antlitzes, die klaren blauen Augen, der dichte Bart von der Farbe des Flachses schienen einem dreißigjährigen Reitersmann anzugehören. Das spärliche Haupthaar rund um die Glatze trug freilich den greisenhaften Silberglanz; der aber gewinnt sich eben so gut im Feldlager und beim Waidwerk als über den Büchern. Der adelige Mann Gottes sah gar nicht darnach aus, als pflege viel mit Büchern umzugehen.