Der Vesuv und seine Opfer
An dem Abhange des Vesuvs, nahe bei der Quelle eines Armes des Gebetes, erhob sich eine jener reisenden Villen, wie man sie auf den Gemälden Leopold Roberts erblickt. Es war ein elegantes viereckiges Gebäude, größer als ein gewöhnliches Haus, aber weniger imposant als ein Palast, versehen mit einem auf Säulen ruhenden Portico, einem terassenförmigen Dache, grünen Jalousieen, blumengeschmückten Geländen, und einem Garten, in welchem Orangen, Rosen und Granatbäume prangten. Während des ganzen Tages blieb diese Villa, wie es in Neapel Gebrauch ist, einsam und verschlossen; wenn aber der Abend erschien, und mit ihm die erfrischende Meereskühle, wurden die Jalousieen langsam geöffnet, um die erquickende Luft herein zu lassen; und dann konnten diejenigen, welche an dieser Behausung vorüber kamen, durch die geöffneten Fenster Gemächer mit vergoldeten Mobilien und reichen Teppichen gewahren, in welchen Arm in Arm sich einander mit liebevollen Blicken betrachtend, ein schöner junger Mann und eine junge Dame aufund ab schlenderten. Dieses waren der Herr dieses kleinen Feenpalastes, Graf Odoardo Giordani und seine junge Gemahlin Lia. Obgleich diese beiden jungen Leute sich schon seit längerer Zeit liebten, waren dennoch seit ihrer Verbindung erst sechs Monate vergangen; ihre Verheiratung sollte in dem Augenblick stattfinden, als die neopolitanische Revolution ausbrach; der Graf Odoardo