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Im Bibliothekzimmer

Im Bibliothekzimmer Frisch gefallener Schnee lag in den Straßen New-Yorks. Das Gewand der Reinheit, in welches der Schnee die Erde kleidet, ist für uns kein Bild von Jugend und Leben, sondern von Alter und Tod. Die Sommerhitze ist vergessen, die prächtigen Färbungen des Herbstes haben sich in eintöniges Braun verwandelt, das zarte Frühlingsgrün schwebt uns nur als ferner Hoffnungsschimmer vor, der Winter deckt alles zu mit seiner kalten weißen Hülle. Ueber den steinhart gefrorenen Boden weht ein eisiger Wind; in der Außenwelt reizt uns nichts mehr, – was Wunder, wenn wir den Blick nach innen wenden und am traulichen Kamin Ersatz suchen für die entschwundenen Freuden der Natur! Die kalte Jahreszeit weckt ohnehin, mehr als die anderen, alle Triebe der Selbsterhaltung, ja des selbstsüchtigen Behagens; bei warmem Sonnenschein geht das Herz auf, der Mensch ist weit leichter zur Großmut gestimmt. Darum ist es ein Segen für Seele und Gemüt, daß das Weihnachtsfest mitten in den Winter fällt und durch seine Liebeswärme neues Leben schafft in der erstarrten frostigen Welt. Die Begüterten wissen sich auch zur Winterszeit das Dasein erfreulich zu gestalten. Sie schmücken ihre Häuser mit allem Glanz, den der Reichtum verleiht, der rauhen Wirklichkeit zum Trotz schwelgen sie in Genuß und Vergnügen. Die Armen dagegen drückt der Mangel doppelt schwer und seufzend zählen sie, ob ihre geringe

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