Der verbotene Rausch
Es war noch dunkel in dem kleinen Katenhause. Die Morgendämmerung stritt sich mit der Nacht. Fahle Schatten liefen über die Mauern wie graue Mäuschen, die aus dem Wesenlosen kommen und ins Wesenlose verschwinden. Da drehte sich Martin Kriews, der ewig Arbeitslose, das erste Mal auf seinem rot und weiß gewürfelten Strohsack herum. Ein behagliches, erwachendes Grunzen wurde laut. Dann stieß er mit der Faust gemütlich, friedvoll nach dem benachbarten Strohsack herüber. »Süßing,« gähnte er, »es is all wieder so'n schönen Tag. Die Sonne scheint. Kuck eins, ganz rot« – dabei starrte er in die webenden schwarzen Schatten hinein und hatte das Bewußtsein, daß die Sonne immer näher auf ihn zuschritte, mit einem kupferroten Gesicht, genau so wie die Frau des Gastwirts Krey, jene liebreiche Weiblichkeit, die ihm noch am Abend vorher einen kleinen Kübel des ganz neu gebrannten Kirschund Pfefferminzlikörs mit freundlichem Schwung in sein ungeheures Paßglas gegossen hatte. Und was das »Allernüdlichste« war, an die Bezahlung hatte sie im Drang der Geschäfte wieder vollkommen vergessen. »Süßing,« erzählte Martin Kriews unbeirrt zu dem bewegungslosen Strohsack herüber. »Sie liebt mir woll, Kreyen seine liebe Gattin. Sie lieben mir alle. Überhaupt, Sophiing, die Menschens auf der Welt sünd doch alle herzensgut. Ich sag' dich, Sophiing, herzensgut sünd sie alle. Da bün ich gestern zum Beispiel an