Chapter

Der Verbannte

»Vaterland, heimische Erde, mit welcher Wollust athmet meine Brust deine süßen Lüfte, wie gesundet die kranke Seele bei dem langentbehrten Anblick deiner Höhen und Thale, deiner Felsen und Gewässer. Wohl mag der Arme, den die Natur in einer weiten Ebene, unter Steinklumpen der Städte entstehen ließ, nicht dieß Weh nach der Heimath kennen, wie es den Sohn des Hochgebirges in der Ferne drängt und treibt, daß ihm das Herz springen möchte, hört er den Klang heimischer Lieder.« Der dieß, von Gefühl überwältigt, mit ströhmenden Augen, laut ausrief, war ein einsamer Wanderer auf der Höhe des Anthofberges bei dem lieblichen Gmunden am Traunsee. Sein edler Wuchs und das feine Gesicht ließen, trotz des groben Jägerkleides, in dem Jüngling etwas, Höheres vermuthen, als er zu scheinen sich Mühe gab. Eben ging die Sonne unter und schmückte scheidend den majestätischen Traunstein mit schönerem als königlichem Purpur, indeß der Vollmond hinter den Felsmassen am klaren Himmelszelt heraufschwebte, und sein blaß silbernes Antlitz grüßend zu dem stillen See neigte; die Sonne sank tiefer, immer mehr schwand der Purpur von des Traunsteins Haupt, immer goldner strahlte der Mond, bis sein Abglanz im Gewässer eine zitternde Feuersäule bildete und er als alleiniger Herrscher der Nacht hoch über den Felsen seine glänzende Bahn wandelte. Otto —- so hieß der Wandrer —- sah mit Entzücken diesen

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