Chapter

Der Untergang der Anna Hollmann

Vor vier oder fünf Jahrzehnten heiratete ein junger Blankeneser Seemann, aus dem alten Geschlecht der Guldts, nicht die Lotsentochter, die seine Tanten für ihn bestimmt hatten, sondern irgendein bräunliches etwas duckiges Ding von einem Mädchen, das sich eines Sonntagabends vom Etzer Moor her in einen Blankeneser Tanzsaal verlaufen hatte. Die Familie war sehr enttäuscht, und ließ es den jungen Mann gleich am ersten Tag fühlen. Als aber am zweiten eine alte spitzige Tante fragte, wieviel tausend Torfsoden die junge Frau denn als Mitgift ins Haus gebracht, warf er sie hinaus. Die Familie konnte ihn dann nicht weiter quälen, so gern sie es getan hätte und ihm allein deswegen ein längeres Leben gegönnt hätte; denn er fuhr am dritten Tag auf der Anna Hollmann nach Senegambien, wurde dort an Bord fieberkrank und starb dort. Seine Witwe, die von Natur und von ihrer Jugend im Moor her zu einer scheuen Einsamkeit neigte, und durch den frühen Tod ihres Mannes noch dazu vergrämt war, zog sich ganz von der Familie zurück. Sie nannte sie mit Verachtung kurzweg ›das Pack‹, und verbot ihrem kleinen Jungen, den sie immer mit seinem vollen Namen ›Jan Guldt‹ nannte, in ihrer kurzen Art, jeden Verkehr mit ihr. Sie lebte dürftig, ja arm, in einem der niedrigen Strohdächer unten am Strand, von denen es damals noch viele gab, in der hinteren Mietswohnung, die nur Stube und Küche hatte, und nährte

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