Der unentwegte Platoniker - I
Lieber. Ich eröffne mich Ihnen, um zwischen mir und der Welt etwas festzulegen, ein Bild zu zeichnen, das meine Gedanken und die künftigen Tage nicht verändern können und von mir unabhängig zu sein, damit, wenn ich zu sehr im Gestrüpp mich verirre, ein Bildnis meiner stets finden kann; weiß ich doch nicht, ob, was in mir entsteht, fördert, oder, wenn es durchlebt wurde, vergessen werden muß, wie manch anderes, das mir begegnete. Ich reise unserm Fluß entgegen, den die schwebende Röte des Morgens blenden wird, überschreite den schwierigen Kamm, ziehe ungeleitet von fließendem Gewässer durch die schattigen Hügel, um ausatmend in die sich dehnende Ebene hinunterzuschauen und den eiligen Abstieg zu gewinnen. Ich fühle mich durch meine Gedanken, die in den jüngsten Monaten immer schneidender mich durchdrangen, erstarrt und, was sonderlich ist — zugleich recht beunruhigt, so daß es mir gut scheint, im Wechsel der Wanderung eine peinliche Öde auszufüllen oder wegzutragen. Ein schmerzlicher Zwiespalt öffnete sich mir in folgendem Erlebnis. Die schwebende Tragik des Abends überzieht die Blätter, worin ich mich von mir ablöse, um einer gleichen Gesinnung mich hinzugeben und die Schreie einer flatternden Kindheit zu ersticken. Der Fluß mischt den gewölbten Abendhimmel in schleichende Dunkelheit, ebnet hohes Laub und tiefes Flußbett in gemeinsame Schatten, die die Erde streifen. Seine