Der Überfall der 'India'
Es war am 6. August abends. Über der Nordsee lagen noch die letzten Nachwehen eines kurzen Weststurmes, der von der Dogger Bank her die Wogen gegen die dänische und skandinavische Westküste während sechs langer Stunden in wildem Toben getrieben hatte. Jetzt nach Anbruch der Nacht zeugte nur noch eine träge, von Minute zu Minute schwächer werdende Dünung und ein bleigrauer, hie und da von dunklen Wolken kräftig schattierter Himmel von den eben überstandenen Wüten der Elemente. Auf dieser Dünung schaukelte mit gerefften Segeln müde ein Dreimaster, der in Christiania beheimatete „Kung Christian“. Von dem plötzlich losbrechenden Sturm war das bereits ziemlich altersschwache Schiff weit aus seiner Fahrtrichtung nach Norden abgedrängt worden, nachdem es bereits fünf Tage gegen widrige Luftströmungen aufgekreuzt hatte, ohne daß es während dieser Zeit auch nur einem einzigen Segler oder Dampfer begegnet wäre. Der ‚Kung Christian’ hatte insgesamt eine Besatzung von achtzehn Köpfen. Nicht weniger als zehn Deutsche, meist Mecklenburger. Auch der zweite Steuermann, der soeben die Wache übernommen hatte, stammte aus Wismar, gehörte wie seine übrigen deutschen Landsleute im Reserveverhältnis der kaiserlichen Marine an. Johannes Bränting stand jetzt neben dem das Steuerrad bedienenden Matrosen. In längeren Pausen tauschten sie leise Bemerkungen aus. „Stür’mann,“ meinte Peter Gamm, der