Der Tugendpreis
Wir waren eben durch Gisors gekommen. Ich war aufgewacht, als ich die Schaffner den Namen der Stadt ausrufen hörte, und wollte eben wieder einnicken, als ein furchtbarer Stoß mich auf die dicke Dame schleuderte, die mir gegenüber saß. An der Maschine war ein Rad gebrochen, und sie lag quer über den Schienen; der Tender und der Gepäckwagen waren ebenfalls entgleist, hatten sich neben die sterbende gelegt, die fauchte, stöhnte, pfiff und spie, wie ein Pferd, das auf der Straße gestürzt ist und dessen Flanken schlagen, dessen Brust zittert, dessen Nüstern rauchen, dessen ganzer Körper bebt, aber das nicht mehr der geringsten Bewegung fähig scheint, um aufzustehen und weiter zu laufen. Es gab weder Tote noch Verwundete, nur ein paar leicht Verletzte, denn der Zug war noch nicht recht im Gang gewesen. Und wir sahen nun verzweifelt das große, verstümmelte Eisenvieh, das uns nicht mehr ziehen konnte und das vielleicht nun auf lange Zeit den Weg versperrte, daliegen. Auf lange Zeit, denn es mußte wahrscheinlich aus Paris telegraphisch ein Hilfszug herbeigerufen werden. Es war zehn Uhr morgens, und ich entschloß mich sofort nach Gisors zurück zu gehen und dort zu frühstücken. Als ich den Bahndamm hinunterschritt, sagte ich zu mir: Gisors? Gisors? Da kenne ich doch jemand, – aber wen denn? Gisors? Ich muß doch irgend einen Bekannten hier haben. Plötzlich kam mir ein Name in die