Chapter

Die Thusnelde

Einer meiner Freunde, er hieß Waldrich, hatte die hohe Schule kaum seit zwei Jahren verlassen, und sich in einer Provinzialhauptstadt als überzähliger und unbesoldeter Gerichtsassessor oder dergleichen herumgetrieben, da eben in die Posaune des heiligen Krieges gestoßen ward. Es galt die Befreiung Deutschlands vom Joche des französischen Eroberers. Ein frommer Eifer bemächtigte sich alles Volkes, wie man weiß. Freiheit und Vaterland war das Feldgeschrei in Städten und Dörfern. Tausend und tausend Jünglinge flohen freudig zu den Fahnen. Es galt Deutschlands Ehre und die Hoffnung, auch dann auf Hermanns Boden vielleicht ein edleres Leben zu finden, in gesetzlich geregelten, des gebildeten Zeitalters würdigern Verhältnissen. – Mein lieber Waldrich hatte in dem frommen Eifer und der schönen Hoffnung seinen guten Teil. Kurz, er empfahl sich seinem Gerichtspräsidenten zu Gnaden, und wählte statt der Feder das Schwert. Weil er noch nicht das volle Alter gesetzlicher Mündigkeit besaß, schrieb er, da er keine Eltern mehr hatte, und Reisegeld doch in allen Fällen wohltut, seinem Vormund um die Erlaubnis, den Zug fürs Vaterland mittun zu dürfen, und ersuchte um hundert Taler Reisegeld. Sein Vormund, Herr Bantes, ein reicher Fabrikherr in der Stadt oder Städtchen Herbesheim an der Aa, der ihn, wenn man so sagen will, erzogen hatte (Waldrich hatte nur als Knabe, bis zur Hochschule, bei ihm

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