Chapter

Eine Miß vor der Scheibe

1. Kapitel. Eine Miß vor der Scheibe. Unsere Gondel trieb langsam mit der Strömung den Canal Grande hinab, trieb dahin durch die unaussprechlich schöne Farbensinfonie dieses Sonnenabends, und wir drei, zurückgelehnt in die weichen Polster, sprachen über Literatur … Tiepolo Kontarini, Unterchef der venezianische Kriminalpolizei, rezitierte eine Stelle aus Aretino, — seine Stimme war weich und einschmeichelnd, und sein edel geschnittenes Gesicht zeigte den Ausdruck stiller Träumerei. »… Noch niemals war dieser Himmel so bezaubernd gefärbt. Die Luft sah aus, wie die Rivalen Tizians sie malen möchten … Die ganze rechte Himmelshälfte hatte eine verwischte, in graubraunem Schwarz schimmernde Farbe, die andere aber strahlte von den Flammen des Sonnenherdes, und die Ferne erlosch in kühlerem Zinnober. An manchen Stellen tauchte ein bläuliches Grün auf, anderswo ein grünliches Blau, — Farben, die in einer launigen Erfindung der Natur gemischt waren …« »Wenn Schraut das aufgeschrieben hätte«, sagte Harst in einer Anwandlung galligen Humors, »würde ein Kritiker kommen und mit geübter Feder ein niederschmetterndes »Schund!« verbrämt durch Phrasenschwall, der kritiklosen Menge schwarz auf weiß hinhalten! — Nun, ärgere dich nicht, mein Alter, so lange noch Briefe dich erreichen wie der unlängst aus Chicago, daß dort nun den deutschen Schulen deine literarischen Versuche den Schülern direkt

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