Kapitel 1
Wenn in einer Stadt an einem Sonntage, der seinem Namen Ehre macht, auf dem Markte fröhliche Musik erschallt, dann ist das nicht anders, als wenn einem Menschen das Herz vor Feiertagsfreude höher schlägt. So ging es heute in Gündsitbargen. Noch war vom schlanken Vizelinturme der zwölfte Uhrschlag nicht verzittert, da hob die Bürgerkapelle die blitzenden Trompeten und ließ zunächst ein Lobund Danklied zu dem Herrn emporbrausen, der wieder einmal so viel warmgoldenes Licht über das wohlgeordnete Gemeinwesen »jenseit der Berge« ausgegossen hatte. Den geistlichen Klängen folgten weltliche Weisen, und je länger der Meister den silberbeschlagenen Stab schwang, während seine andere Hand in Wellenbewegungen durch die Luft glitt, desto mehr Zuhörer fanden sich auf dem mittelgroßen, ein unregelmäßiges Viereck bildenden Platz ein. Die einen standen im dichten Kranze um die Musiker herum. Das waren die Sachverständigen oder wenigstens ganz Andächtigen, die keine Note missen wollten; die andern aber, die solch eine Darbietung nur als Unterhaltung betrachteten, lustwandelten unter behaglicher Rede – die jungen Mädchen und die Ehepaare Arm in Arm – und die flotten Jünglinge mit den kecken Hütlein und den grellfarbigen Halsbinden und Lederhandschuhen verstanden es trefflich, den Spazierstock zwischen den Fingern hin und her zu quirlen. In zwei eirunden Kreisen bewegte sich die Menge. Der