Erstes Kapitel
Bei Seekamps auf Hohorst war Jagd, keine von den großen, nur ein einfaches Treiben auf Hasen. Es kam doch eine stattliche Anzahl von Gästen zusammen, denn die Seekamps saßen seit Jahrhunderten im Lande und waren fast mit allen Familien verschwägert. In der offenen Tür der Vorhalle stand der Hausherr, ein feiner, alter Herr mit kahlem Schädel und mächtigem weißem Schnurrbart, und bewillkommnete, unterstützt von Sohn und Schwiegersohn, die Geladenen, die zu Wagen und zu Pferd einer nach dem andern anlangten, angeregt, lärmend, lauter Leute, die einander von Kindesbeinen an kannten. Von den Fenstern des oberen Geschosses aus beobachteten die Damen der Familie die Auffahrt, Frau Mathilde von Seekamp, einen schwarzen Spitzenschal auf dem weißen Scheitel, ihre verheiratete Tochter Gertrud von Polzin und die rassig dürre Grete, die Frau des jungen Seekamp, den sein Vater, bis er Hohorst übernähme, auf dem großen Hof Annenhof ansässig gemacht hatte. Grete war im Jagdkleid. Wenn ihre Schwiegermutter nicht zugab, daß sie an der Jagd teilnahm, zum Frühstück würde sie jedenfalls hinausfahren. Den Damen leistete Pastor Roßmüller Gesellschaft, der Seelenfreund der alten Frau von Seekamp, den der Ruf Gottes in seinem Herzen von seiner stillen Pfarre getrieben hatte, daß er, von Ort zu Ort wandernd, mit seiner großen Beredsamkeit Seelen tröste und bekehre. Drunten in der Halle beschattete