Chapter

I

Durch das offene Fenster strich die kühle Nachtluft feucht und regenschwer. Unten auf der Straße hallten Schritte, dann blieb einer stehen und rief herauf: »Paul?« Er trat zum Fenster und lehnte sich weit heraus: »Sind Sie's – Doktor?« »Ja, kommen Sie doch noch herunter – auf eine Viertelstunde nur, jetzt ist's so schön!« »Danke – ich bin müde.« »Wo waren Sie denn heute – bei dem Regenwetter?« »Nirgends – ich bin auch nicht vom Gehen müde – nur abgespannt vom vielen Sprechen; Georg ist heute gekommen – er wohnt bei mir.« »Georg?« »Ja; bevor er nach Heidelberg geht, will er noch ein paar Wochen hier in Ruhe verbringen.« »Ja hat er denn nicht mehr seine Assistentenstelle in Berlin?« »Aber Doktor, lesen Sie denn keine Zeitungen? Georg ist als Professor nach Heidelberg berufen worden!« »Als Professor!« Der Doktor schwieg eine Weile, dann wiederholte er nochmals nachdenklich: »Als Professor! Bitte gratulieren Sie ihm in meinem Namen!« »Sie werden ihn ja morgen sehen, Doktor.« »Der hat's gut!« sagte der Doktor, und seine Stimme klang neidisch traurig: »Wie er an die Universität kommt, eine Erbschaft – so daß er sich nicht um Lektionen und Stipendien kümmern muß, und ein paar Monate im Jahr reisen kann; kaum ist er Doktor, bekommt er eine Assistentenstelle, und jetzt – nach vier Jahren – eine Professur! – Ja – Glück muß der Mensch haben! – Woher kommt er denn jetzt?« »Aus Südtirol;

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