Neuntes Kapitel
Im Trauerhause. Zwei Kabinettsschreiben. Wie sie es alle tragen. Kospoth war nach dem Wortwechsel mit dem Erbgroßherzog um die Hofjägerei herumgegangen, um das Haus unauffällig durch die Vorderthür betreten zu können. Dann hatte er oben bei Treysas angeklopft und von dem Dienstmädchen erfahren, was sich soeben hier zwischen erstem Stockmerk und Bodenraum zugetragen. Das gnädige Fräulein sei eben noch zurecht gekommen, um den letzten Blick und den letzten Seufzer ihrer Mutter aufzufangen.»Ja, ist denn der Tod so plötzlich eingetreten?«fragte Kosvoth, um die Geschwätzigkeit des Mädchens abzulenken und sich selbst dem Vorwurfe zu entziehen, als ob er durch Dienstbotenklatsch hinter Melanies Geheimnisse zu kommen gesucht habe.»Fräulein Melanie hat wohl nicht ahnen können, daß es so schnell zu Ende gehen würde, sonst wäre sie doch gewiß nicht vom Krankenbette gewichen.«»Ja, es ist freilich rascher gegangen, als wir alle gedacht haben – das heißt: der Doktor hat schon heute mittag gesagt, er konnte nicht dafür stehen, daß die Frau Generalin die Nacht noch überlebten. Wie das gnädige Fräulein aus der Stube gingen, weil sie sagten, sie könnten sich nicht mehr aufrecht halten und müßten sich durchaus etwas hinlegen, da waren Frau Generalin gerade ein bißchen eingeschlafen – es ist aber wohl nur die große Schwäche gewesen. Ich blieb so lange bei ihr – ich dachte mir ja wohl gleich, daß