Der königliche Gast
Wenn Leute, die in dem lauten Treiben einer Großstadt herumgewirbelt werden, hin und wieder einmal – vielleicht mit einem kleinen Sehnsuchtsseufzer – an das Leben draußen auf dem Lande denken, schwebt ihnen in der Regel ein Dasein mit einem Gottessegen an Zeit vor. Sie stellen sich eine unendliche Reihe von ruhig dahinfließenden Tagen vor, wo jede Minute mit einer feierlichen Umständlichkeit verrinnt, ähnlich der, mit der eine Bornholmer Uhr in der Stube einer alten Bauersfrau die Ewigkeit abmißt. Und doch ist ja in Wirklichkeit die Zeit nirgends flüchtiger, erscheint einem das Leben nirgends kürzer als gerade auf dem Lande. Wenn auch die einzelnen Tage träge genug sein können in ihrer Einförmigkeit, schon die Wochen sind geschäftig – die Jahre fliegen. Und eines schönen Tages ist das Leben dahin gefahren, und das Ganze ist vorbei wie ein Bruchstück eines Sommer- oder Winternachtstraumes. Wenn der junge Arzt Arnold Höjer und seine kleine hübsche Frau daran dachten, daß sie schon volle sechs Jahre in Sönderböl gewohnt und genau ebenso lange verheiratet waren, mußten sie vor Erstaunen lachen. Sechs Jahre! Es war ihnen, als könnten unmöglich mehr als einige wenige Monate vergangen sein seit jener unvergeßlichen Sternennacht, als sie mit der Postkutsche hierhergekommen waren. Und sie hatten doch in der dazwischenliegenden Zeit drei Kinder in die Welt gesetzt, und ihr Heim, das