Ein Karawanenüberfall
Dort in weiter Ferne, wo der gelbfahle Wüstenrand am Horizont mit dem im Morgenzwielicht ebenfalls gelbfahlen Himmel in eins verschwamm, zog eine Kamelkarawane gemächlich dahin, ein seltsames Bild, da die Tiere bei dieser Beleuchtung samt ihren beturbanten Führern in der Luft zu schweben schienen. Wir, Harald Harst und ich, hatten soeben unser Frühstück beendet, und Harald war es gewesen, der mich auf die Lastkarawane, die da scheinbar in der Luft ihren Weg gen Süden nahm, aufmerksam gemacht hatte. Wir waren vor zwei Tagen hoch zu Kamel von Sirsa (an der Bahnlinie Lahore—Alwar aufgebrochen und nach Südwesten in die indische Thar-Wüste, für uns ein längst bekanntes Gebiet, hineingeritten, um so nach Gagawar, der Residenz der Fürstin von Gagawar, zu gelangen. Wir hätten uns diesen Wüstenritt freilich auch sparen können, da Gagawar durch eine Kleinbahn mit der die Thar durchschneidenden Hauptstrecke verbunden ist. Harald jedoch hatte genau so große Lust nach ein paar Tagen freien Nomadenlebens verspürt wie ich, und so schickten wir denn unsere Koffer als Frachtgut voraus, kauften in Sirsa zwei vorzügliche Reitdromedare und ein ebenso gutes Lastkamel und kamen uns nach dem langen Aufenthalt in Europa wie die Götter vor, als wir nun wieder einmal vom Kamelsattel aus auf die ganze langweilige europäische Kultur pfiffen — gründlich pfiffen! — Unser Lagerplatz hier in der Wüste lag am