1. Kapitel. Der Überfall
"Allah ist gross, und Mohammed ist sein Prophet!" Von all den Lippen der zum Abendgebet in den warmen Wuestensand hingestreckten Gestalten klangen murmelnd die Schlussworte, die der Vorbeter mit heller Stimme in singendem Tonfall vorgesprochen hatte. Die Beduinen, gegen zweihundert Mann etwa, erhoben sich. Es war, als ob ploetzlich in ein Feld von kleinen, braunen Huegeln Leben kaeme. Braun waren ja zumeist die weiten, aus Schafwolle gewebten Maentel der Iringi, dieses gefuerchteten, gemiedenen Stammes, der sich groesstenteils aus Ausgestossenen anderer arabischer Voelkerschaften zusammensetzte. In der vordersten Reihe der Andaechtigen hatte ein hoher, kraeftiger, praechtiger als die anderen gekleideter Mann gekniet, in dessen Gesicht sich trotz aller brutalen Wildheit der Zug von Vornehmheit auspraegte. Dieser heimatlose Beduine, weit ueber die Grenzen Arabiens hinaus bekannt und beruchtigt, war Ibrahim ben Garb, der waghalsigste und frechste aller Wuestenraeuber. Fuer seinen Kopf hatten Tuerken und Englaender einen hohen Preis gesetzt. Ibrahim aber spottete aller Verfolger, zumal er gerade unter den Briten genug einflussreiche Freunde besass, die ihn stets rechtzeitig warnten, wenn ihm ein Hinterhalt gelegt werden sollte. Einer dieser Englaender, ein Mann namens Shlook, sass vor seinem etwas abseits aufgestellten Zelte und wartete auf Ibrahims Rueckkehr. Als der Pirat der