Der Tempel der Khali
»Ich finde das Leben jetzt ziemlich öde,« meinte Harst und gähnte verstohlen hinter der vorgehaltenen Hand. »Vierzehn Tage fast reisen wir nun schon wie jeder gewöhnliche Globetrotter. Ich fühle mich geradezu krank infolge dieser Untätigkeit. Und Dir, mein lieber Schraut, bekommt dieses behagliche, friedfertige Dasein auch nicht. Du wirst täglich dicker.« Wir saßen im Speisesaal des Exzelsior-Hotels in Dehli, der ältesten und an Baudenkmälern reichsten Stadt Indiens, hatten soeben gefrühstückt und bisher am heutigen Morgen sehr wenig gesprochen. Gab es doch ringsum genug, übergenug zu sehen, denn kaum eine Stadt Indiens ist ja so sehr das Ziel und die Sehnsucht ganzer Scharen von Touristen wie gerade dieses wunderbare, märchenhaft schöne Dehli am rechten, hoch aufgemauerten Ufer des Dschamma-Flusses. Auf Harald Harsts Stoßseufzer über »das öde Leben«, mit dem ich übrigens sehr zufrieden war, wollte ich gerade erwidern, daß man doch schließlich auch als Liebhaberdetektiv einmal sich »Urlaub gönnen« könnte, als ein kleiner, magerer, glattrasierter Herr auf unseren Tisch zugesteuert kam, davor stehen blieb, sich leicht verbeugte und in etwas mangelhaftem Deutsch erklärte: »Sie gestatten. Mein Name ist Garratt Molgedey. Ich habe doch die Ehre, Herrn Harald Harst und Herrn Max Schraut vor mir zu sehen, nicht wahr? — Ich las schon gestern abend Ihren Namen im Fremdenbuch. Da konnte