Erster Band
Es ist eigenthümlich, daß trotz des längst aufgehobenen Wohnungs- und theilweise auch Zunftzwanges doch selbst in unsern größern deutschen Städten die gleichbeschäftigten Handwerker so häufig um und neben einander wohnen, mit ihren Straßen Gruppen bildend, wie damals, als noch die Schuster, Schreiner, Schlosser, Schwertfeger, Sattler und alle dergleichen Gewerbe in der nach ihnen benannten Gasse hausten. Man sollte glauben, heutzutage, wo nicht mehr jeder Handwerker nach alt hergebrachter Form und dem Modell arbeitet, das ihm vom Vater und Großvater überkommen, sondern wo es jeder dem Andern zuvor thun will und muß, wo in mancher kleinen Werkstatt eine Erfindung auftaucht, die des Nachbarn Staunen und Aerger erregt, – heutzutage, wo die Concurrenz, der Feind aller, jeden sich abmühen läßt, die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich zu ziehen, würde sich der Schlosser vom Schlosser, der Sattler vom Sattler so weit als möglich entfernen. Und doch ist das, wie oben schon erwähnt, nicht immer der Fall. Wir reden hier nicht von den Gewerken, die an gewisse Oertlichkeiten gebunden sind; so zum Beispiel finden wir es ganz natürlich, daß drunten in den Gassen am Kai die Schiffer hausen, und dort das dritte und vierte Haus ein Seiler- oder Segeltuchladen ist, oder eine Eisenhandlung, und daß sich dort die zahlreichen Magazine befinden, eines neben dem andern, wo der Schiffer seine