Aus dem Meer
Aus der Kraft des Augenblicks zu leben, ist die Kunst aller Künste; wer sie beherrscht, hat den Stein der Weisen gefunden. Die Menschen früherer Jahrhunderte besaßen ihn, ohne seine Macht zu kennen. Da sie seine Macht erkannten, entglitt er ihnen. Doch heute wird er der Menschheit wieder von göttlicher Hand dargeboten, und an uns liegt es, ob wir ihn ergreifen im Namen aller, die nach uns kommen, oder ob die göttliche Gabe wieder im Staube der Zeit verschüttet wird. * Es muß in den zwanziger Jahren des siebzehnten Jahrhunderts gewesen sein, als in einer stürmischen Herbstnacht eine holländische Kuff auf den Rantumer Strand lief. Die Nacht war schwerdunkel, und die Männer, die den Strand nach antreibendem Gut abliefen, hatten noch kaum das Wrack ausmachen können, ehe der trübe Tag anbrach. Der Himmel lastete tief über der rollenden See; grau und schwarz waren die einzigen Töne, die Unterscheidungsmerkmale im dämmernden Tage schufen. Dunkelgrau wälzten sich die Wassermassen von See und Himmel durcheinander. Dazwischen stach ein schwarzer Mast in den dampfenden Strudel, und auch der Schiffsrumpf, der kaum hundert Schritt hinter der ersten Brandungslinie lag, wirkte schwarz wie ein Höllentor. Schon hatten die Wellen alles bewegliche Schiffsgut davon abgeschwemmt, und die Männer wateten in der auslaufenden Brandung umher, um die rollenden Fässer und schwimmenden Bretter mit