Vorwort des Ubersetzers
Von Robert Koenig. Die Übertragung einer Dichtung des Auslandes in die heimatliche Sprache ist eine genußreiche Arbeit. Das habe ich erfahren, als ich vor längerer Zeit einige der herrlichsten Romane Walter Scotts zu verdeutschen wagte, und dasselbe kann ich von der vorliegenden Übersetzung des»Scapegoat«von Hall Caine sagen. Eine Vorfreude möchte ich es nennen, daß ich den Dichter persönlich kennen lernte, ehe ich daran ging, sein eigenartigstes Werk in Deutschland heimisch zu machen. Diese Begegnung gewährt mir den Vorzug, ihn meinen Landsleuten wirkungsvoller vorzustellen, als es durch einen kritischen Essay geschehen könnte. Als Hall Caine zum ersten Mal in mein Studierzimmer trat, war es mir, als kennte ich ihn schon seit Jahren. Gerade so hatte ich ihn mir nach seinen Romanen und nach dem, was ich über ihn gelesen, in seiner äußeren Erscheinung und Haltung, wie in seiner Sprache vorgestellt. Ein mittelgroßer, wohlgebauter Mann mit hoher, freier Stirn, von der die dunkelrötlichen Haare leicht zurückwallen, mit großen braunen Augen, unter deren sanftem Glanze ein lebhaftes Feuer je und je hervorblitzt; das feingeschnittene, blasse, geistsprühende Gesicht, das in seinen Linien etwas an den typischen Shakespearekopf erinnert, von einem leicht zugespitzten Vollbart umrahmt – so trat er mir entgegen. Der kräftig männliche Druck seiner langen, schlanken Hand hatte etwas