Erster Teil, Erstes Kapitel
Als man zählte und schrieb nach Gottes Geburt vierzehnhundert und danach im vierundfünfzigsten Jahr am Mittwochen nach Quasimodogeniti, da wanderten zwei junge Handwerksburschen munter fürbaß durch die Lüneburger Heide. Der eine war von gedrungener Gestalt mit dunklem Krauskopf und braunen Augen, die einen scharfen, fast stechenden Blick hatten. Der andere war hochaufgewachsen mit kräftigem Gliederbau, hatte blondes Haar und unter einer freien Stirn helle, freundliche Augen. Jeder trug seine fahrende Habe mit sich; der größere ein schwerbepacktes Felleisen auf dem Rücken und darunter an der Hüfte noch einen prallgefüllten Beutel aus bräunlichem Ziegenfell, der kleinere nur einen Ranzen über der Schulter, der ihn nicht sonderlich zu drücken schien. Jedem stak ein langes Dolchmesser im Gürtel, aber dem Blonden hing auch ein Schwert an der Seite, fast zu kostbar für einen Handwerksburschen, und seinen niedrigen Filz zierte ein grüner Wacholderzweig, den er sich gestern schon, da sie auf dem Wege von Celle nach Uelzen die große Heide betraten, als ersten Gruß der Heimat gepflückt hatte. Sein Gesell hatte, auf den Wanderstab gestützt, ihm dabei lächelnd zugeschaut und dann gesagt: »Jeder nach seiner Gunst und Gaben! Schusterpech ist schwarz, für mich hat ein Rabe hier einen Kopfputz hingelegt.« Damit hatte er sich die Feder an den Hut gesteckt und weitergesprochen: »Hoffentlich hat