Erstes Kapitel
An einem reizenden Sommerabend herrschte in der Mühle des Vater Merlier ein reges festliches Treiben, und auf dem Hofe harrten drei reichlich gedeckte Tische der Ankunft der Gäste. Der ganzen Umgegend war es bekannt, daß man an diesem Tage die Verlobung Françoise’s, der Tochter Merlier’s, mit Dominiques feierte, welcher zwar für einen Faulenzer galt, den aber drei Meilen in der Runde alle Frauen mit glühenden Blicken betrachteten, so schön sah er aus. Diese Mühle des Vater Merlier war ein herrliches Plätzchen, genau in der Mitte von Rocreuse gelegen, da wo die Landstraße einen Bogen beschreibt. Das Dorf selbst hat nur eine einzige Straße mit Häuserreihen zu beiden Seiten; aber an jener Straßenwindung breiten sich üppige Wiesen aus, und entlang der Morelle hüllen mächtige Bäume den Thalgrund in zauberhaften Schatten. In ganz Lothringen findet sich kein reizenderes Fleckchen Erde. Rechts und links ziehen sich an den sanften Berglehnen dichte Gehölze, überragt von hundertjährigen Bäumen empor, den Horizont mit einer Flut üppigen Grüns grenzend: während sich gegen Süden hin die wunderbar fruchtbare Ebene mit ihren von lebenden Hecken durchschnittenen Ländereien ausdehnt. Aber den Hauptreiz von Rocreuse bildet die erfrischende Kühle dieses grünen Plätzchens, wenn der Juli und der August mit ihrer sengenden, Sonnenglut alles Leben ringsumher ertöten. Die Morelle kommt aus den Wäldern