Kapitel 1
In der Silvesternacht von 1926 auf 1927 saß ich mit einigen Freunden und Bekannten in Moskau im Zimmer Numero neun des Hotels Bolschaja Moskowskaja. Für einige der Anwesenden war diese private Art, den Silvester zu feiern, die einzig mögliche. Ihre Gesinnung hätte ihnen zwar gestattet, eine festliche Stimmung in der Öffentlichkeit zu demonstrieren. Aber sie hatten Rücksichten zu nehmen und Rücksichten zu fürchten. Sie konnten sich weder unter die Ausländer mischen noch unter die einheimischen Bürger, und obwohl der und jener unter ihnen seiner Idee zuliebe schon oft und lange als Beobachter fungiert hatte, hütete er sich doch mit Recht, selbst der Gegenstand einer Beobachtung zu werden. In meinem Zimmer schwebte der bekannte Zigarettendunst, den man aus den Romanen der russischen Literatur kennen dürfte. Ich öffnete abwechselnd die kleine Luke am Fenster - das ganze zu öffnen, hätten mir meine Gäste verwehrt - und bald die Tür, die in den Korridor führte und durch die Geräusche von Musik, Stimmen, Gläsern, Schritten, Gesang hereinkamen. »Wißt ihr«, sagte Grodzki, ein ukrainischer Pole, der für die Tscheka lange in Tokio gearbeitet hatte und der mir menschlich nahegekommen war, als er mit dem Auftrag anrückte, Berichte über mich zu verfassen, und ich ihm sofort sagte, daß ich mich seiner Tätigkeit in Japan noch erinnere, »wißt ihr«, fragte Grodzki, »wer vor drei Jahren in diesem