Chapter

Erstes Kapitel

Es war ein schöner, heiterer Junitag; über dem Städtlein am Ortsrand der Karpaten, über dem tiefgrünen Waldgebirg und der braunen Ebene leuchtete die Sonne. Früh war ich ausgezogen, im ersten roten Morgenduft, und wanderte nun auf der breiten Heerstraße dahin, die sich, mäßig ansteigend, ins Gebirge hineinwindet, der Marmaros zu. Mir war es fröhlich ums Herz, und freier kann sich kein Vogel fühlen, der sich zum Flug erhebt, denn ich hatte keinen Zweck als das liebe Wandern und keine Sorge; nicht einmal ein Ziel wollt' ich erreichen. Darum bog ich auch bald von der staubigen Straße ab und folgte den Nebenwegen, die mir beliebten, und dann dem Bette eines raschen, klaren Flusses. Aufwärts stieg ich und sah zu, wie mir die Wasser entgegenschäumten, und lauschte ich recht in das Gischten und Brausen, so verstand ich, was sie riefen: »Empor! Empor!«, und dazwischen murmelten die sanfteren Wellen am Uferrand: »Schön ist's oben, o wie schön!« Mit keinem anderen Glücklichen dieser Erde hätte ich tauschen mögen, da ich meinen Stecken weitersetzte. Der Fluß kam von Westen her, und so ging ich westwärts. Von diesem Führer geleitet, kam ich nach wenigen Stunden in ein Dorf. Es hatte sehr niedrige, sehr ärmliche, recht in die Erde hineingedrückte Hütten, aber eine Schenke so groß und stattlich, daß sich sicherlich die ganze Gemeinde gleichzeitig darin hätte betrinken können. Doch war das

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