Der Stilzel und der Mühlknecht
Mitten im kühlen Böhmerwald stand einmal eine moosalte, bucklige Mühle, und die klapperte und mahlte und murmelte gar weltfern, und darum kehrte dort der Waldgeist Stilzel mit Vorliebe ein und trieb seinen Unfug. Der Stilzel war einst Rossbub gewesen, einsam in den Wäldern hatte er den Bauern die Füllen gehütet, und nach seinem jähen Tod – niemand weiß recht, wie es dabei zugegangen – lebte er als Rumpelgeist wieder auf, und wie jedes Geschöpf irgendein Freudlein haben, muss, übte er seine Schwänke an den Leuten der Einöde. So nahm er des Öfteren eine weiche, liebliche Stimme an und rief vom Wald her in die Dörfer hinab: »Such mich! Such mich!« Und da folgte dann und wann ein verlocktes Bauernkind dem Ruf, und wie es bald dort und bald wieder da, hübscher als der Schrei des Kuckucks klang: »Hol mich! Hol mich!« verirrte sich das Kind in die Wildnis, und dass keines dort verlorenging und verhungerte, das rührte davon her, dass der Stilzel schließlich mit gräulichem Geheul das genarrte Kind ins Dorf zurückscheuchte. Zu anderen Zeiten wieder neckte und schreckte er mit wildem Wolfsschrei die Schwärzer, dass sie die Ware, die sie verstohlen über die Grenzeschleppten, eilends von sich warfen und davonrannten. In der moosalten, buckligen Mühle zog der Stilzel oft in tiefer Nacht die Schütze und leerte den Weiher; von dem Donner des fallenden Wassers erschrocken, sprangen dann die